Ronjas way of life


Chaos – oder „Wer wird denn gleich in die Luft gehen…?“
22.06.2009, 8:41 pm
Filed under: Alltägliches, Ärgerliches, Gefühle

Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wäre mein Hund… – Ein Lied von Reihard Mey, das mir bei dem vergangenen Chaos-Stress-Tennis-Wochenende nicht mehr aus dem Sinn geht.

Da hat man doch die ganze Woche Stress, kommt abends spät nach Hause und ist eigentlich nur noch froh, die Beine hoch zu legen und sich von irgendeinem Geräusch berieseln zu lassen. Stille???…. – geht ja gar nicht. Da schießen dann so viele unbearbeitete Gedanken durch den Kopf, dass man eigentlich ein rotes „STOPP-Schild“ aufstellen möchte, aber leider… das Gedankenkarussell kreist nur noch. Wo verflixt ist denn der Schalter zum „Abschalten“ geblieben? Da gehen einem Dinge von der Arbeit durch den Kopf, was man unbedingt noch erledigen muss, da fallen einem Sachen ein, die eigentlich total unwichtig sind und noch ewig Zeit haben, aber man könnte ja….. Dann macht man sich Sorgen um enge Verwandte, dann gibt’s einen Geburtstag, was zieht man an, was gibt’s für ein Geschenk, ach ja und dann noch das Sommerfest im Verein, wird ja dieses Jahr ganz groß gefeiert wegen eines Jubiläums, dann das Sommerfest in der Firma, bei dem ich bei den Organisatoren bin, dann die bevorstehenden Tennisspiele am Samstag und Sonntag – von unwichtig bis wichtig hämmern die Gedanken im Kopf und rauben einem den Schlaf. Himmelkreuzdonnerwetter, da möchte man doch mit der Faust auf den Tisch schlagen. „Ruhe“ und „Gelassenheit“ werden zum Fremdwort. Eine Phase, die ich schon lange nicht mehr erlebt, aber an diesem Wochenende voll ausgekostet habe.

Freitag, ein Tag auf den ich mich die ganze Woche freue, denn, es ist der letzte Arbeitstag der Woche und endet abends dann entspannend mit meiner Yoga-Stunde. Aber dieses Mal habe ich mein Fahrrad zur Werkstatt gebracht, weil schon wieder die Lichtanlage nicht funktionierte. Eigentlich eine Tätigkeit, die schnell gehen sollte, Fahrrad abgeben und „Go“. Aber es kam anders. Eine „fachgerechte“ Beratung ließ es sich nicht nehmen, mich über die Vorzüge eines neuen Rades aufzuklären, es gibt ja zur Zeit Super-Sonderangebote usw., was dazu führte, dass ich mich fast hätte bequatschen lassen, ein neues Rad zu kaufen. Zum Glück habe ich mich besonnen und mein sehr gutes und damals sehr teures Rad nur zur Reparatur gegeben. Allerdings war es danach schon zu spät für Yoga. Okay, dann habe ich wenigstens Zeit noch einzukaufen, die Wohnung aufzuräumen und die Tennissachen für den nächsten Tag zusammenzulegen. Also auf dem Weg nach Hause – ohne mein Fahrrad – habe ich es wenigstens geschafft, das Notwendigste einzukaufen. Da treffe ich auf dem Heimweg zufällig einen Freund und wollte eigentlich nur spontan einen Kaffee mit ihm trinken, aber… – ja klar, ich habe mich verquatscht. Also keine Entspannung beim Yoga, spät zu Hause und außer Einkaufen nix geschafft.

Naja, die Tasche für’s Tennis kann man ja auch am Samstag früh noch packen. Order der Mannschaftsführerin: schwarz/weiß. Also beide Varianten heraussuchen, weißer und schwarzer Rock, weißes und schwarzes Oberteil. Also auf meinem Bügel-Wäschehaufen die benötigten T-Shirts herausgefischt – Bügeln??? – nöö,. keine Zeit, muss so gehen, glatt streichen und ab in die Tasche.

Tja, nach meinem gemütlichen Frühstück (oh Wunder) dann noch ein paar Anrufe und noch schnell zur Entspannung vor dem Spiel in die Badewanne hüpfen. Ein Blick auf die Uhr, okay, reicht noch aus, hab’ ja noch eine Stunde Zeit. —————

Nöö, hatte ich nicht, denn als ich den ersten Fuß in aller Gemütsruhe in die Wanne setzte, klingelte schon wieder das Telefon, wo ich denn bleibe? Völlig sprachlos gab ich bekannt, dass ich doch noch eine Stunde Zeit habe… – ohjeh, ein zweiter Blick zur Uhr ließ mich wahrnehmen, dass ich mich um eine Stunde vertan habe. Teufel aber auch, also nur kurz abtauchen in der Wanne, abtrocknen, in die Sachen springen, die Tasche packen und losrasen in einen kleinen Ort außerhalb Berlins, in dem ich mich nicht auskannte, aber in der Hoffnung den Tennisplatz zu finden. Eine Karte hatte ich nicht dabei, ein Navigationsgerät besitze ich nicht, dafür hatte ich aber ein Handy dabei, das seinen Dienst wegen eines leeren Akkus versagte. Meine Mannschaftsführerin war mit den anderen schon losgefahren. Hektik überfiel mich, finde ich in diesem Dorf den Verein?? – komme ich rechtzeitig?? Naja, wenn nicht, ich spiele ja erst in der zweiten Runde, da habe ich ja noch Zeit, die wissen ja, das ich komme. Aber – oh Wunder – ich erreiche das Ziel eine Viertelstunde vor Spielbeginn, werde freudig von meiner Mannschaftsführerin empfangen und hatte gerade noch Zeit mich umzuziehen und auf den Platz zu springen. Dieses Mal musste ich sofort spielen, worauf ich mental schon gar nicht vorbereitet war. Okay, ich brauche nicht weiter zu erwähnen, dass der erste Satz an mir vorbei ging, obwohl ich dafür eine Stunde gekämpft habe, im zweiten kam ich schon etwas besser ins Spiel, habe aber auch den verloren. Also deprimiert und zerknirscht habe ich mir die restlichen Spiele meiner Mannschaftskameradinnen angeschaut, aber auch das Bild war nicht besser. Nach 5 verlorenen Einzeln hatten wir eigentlich schon komplett verloren, aber trotzdem: Die Doppel wollten wir nicht verschenken, schließlich konnten wir noch drei Punkte gewinnen. Wenigstens konnte ich in einem Doppel noch zu einem weiteren Punkt beitragen, aber insgesamt haben wir 6:3 verloren. Aber dann ging’s zum gemütlichen Teil, wir haben vereint mit den Gegnern zusammen zu Abend gegessen und den Sieg der Gegner gefeiert. Ja, der Kölner würde sagen: „Man muss och jönne könne“. Es war dann noch ein sehr schöner Abend und eine späte Heimkehr.

Sonntag stand das nächste Spiel für meine andere Mannschaft auf dem Programm. Antritt 13.30 Uhr in Berlin-Steglitz, also maximal 10 Autominuten von mir entfernt. Da wusste ich ja schon im Voraus, dass ich als erste spielen muss. Okay, dieses Mal war ich gut vorbereitet und bin schon um 13.15 Uhr losgefahren, aber… die komplette Stadt war total verstopft, alle Straßen in meiner Gegend waren gesperrt, weil so ein „blödes“ Fahrradrennen quer durch die ganze Stadt sämtliche Straßen versperrte. Es gab nicht einmal eine Umwegempfehlung, ganz Lankwitz, Steglitz, Tempelhof usw. waren gesperrt. Meine Empörung kannte keine Grenzen, ich habe mich mit einem Polizisten angelegt, der unbedingt auf den Besenwagen warten wollte, der nicht in Sicht war und mit einem Vertreter des Veranstalters. Die Straße war menschenleer, es kam kein Nachzügler, aber der Polizist ließ niemanden durch. Allmählich steigerte sich meine Empörung ins „allegro furioso“, Polizei, Ordnungsamt und Veranstalter bekamen „ihr Fett“ weg, obwohl es niemanden interessierte. Irgendwie erinnert mich die Geschichte an die alte HB-Werbung „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“.

HB

Aber immerhin habe ich meinem Ärger Luft gemacht und als der Besenwagen dann endlich vorbei war, saß ich in meinem Auto und bin mit „Klein-Smarty“ und Vollgas dem sprachlosen Polizisten noch fast über die Füße gerast.

Um 14.00 Uhr erreichte ich abgehetzt und völlig überdreht den Bestimmungsort, meine Mannschaftsführerin war auch noch nicht da, aber meine Gegnerin wartete schon in den „Startlöchern“, so dass ich sofort auf den Platz musste. Naja, ich brauch’s ja eigentlich gar nicht mehr zu schreiben; ich habe natürlich verloren. Ich hatte schon 2:0 geführt, als die Unruhe in der Halle losging und ständig jemand heraus- und hereinrannte, mitten im Spiel hinter meinem Rücken vorbei auf einen anderen Platz ging, was mich völlig irritierte und mich dazu veranlasste, meinen Unmut darüber kundzutun. Wie man sich denken kann sind solche Aktionen während eines Spiels nicht gerade förderlich, um sich zu konzentrieren. Ein Wunder, dass ich nur 6:4 und 6:3 verloren habe. Aber dieses Mal habe ich gegen zwei Gegner gespielt, gegen meine Gegnerin auf dem Platz und gegen mich, was besonders hinderlich ist. Tennis macht ja so viel Spass ;-)! Aber für mich war der Tennistag gelaufen. Zum Doppel wurde ich nicht mehr eingeteilt und ich hatte nur noch den Wunsch nach„Ruhe“.

Den Rest des Tages habe ich dann in meinem Garten auf dem Liegestuhl verbracht, in absoluter Ruhe, unterbrochen durch wunderschönes Vogelgezwitscher. Eine wirklich angenehme Cool-down-Phase, die ich ohne jegliche Ablenkung durch Lesen oder Musikhören richtig genossen habe, was  meine übererregten Sinne wieder auf den Teppich brachten.

Dabei habe ich mir nur die einzige Frage gestellt: „Wozu das alles?“ – vor allem wenn man sich überlegt, wie schnell das Leben an einem vorbeirast.

Aber etwas Positives hatte das ganze Chaos mal wieder: „ Ich habe gemerkt, wie wichtig ein paar Ruhephasen sind“!

In diesem Sinne allen Lesern eine angenehme Woche – und nicht vergessen: „In der Ruhe liegt die Kraft 🙂 !

Advertisements

7 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

Da hast ja eine wilde Woche hinter dich gebracht.
Hoffe, es wird jetzt besser.

Was die Story angeht, guck mal hier:
http://wortman.wordpress.com/2009/06/23/neverending-story-regeln/

Kommentar von Wortman

Hi Worti,
naja, das war ja nur mein privater Wochenend-Stress, der eigentlich „hausgemacht“ ist 😉
In Anbetracht der Tatsache, dass ich nicht weiß, wann ich bei er Geschichte „dran“ wäre, lasse ich es lieber. Ich versuche sie aber zu verfolgen. ngb hatte ja auch einmal so eine tolle Geschichte.
Liebe Grüße

Kommentar von ronja

Das Leben rast an einem vorbei, wenn man sich zu viel aufbürdet. Die Fahrt in einem übervoll beladenen Boot wird darum auch nicht schöner oder besser, ganz im Gegenteil, als Bootsführer gerät man dann sehr leicht ins Schwanken, droht zu Kentern, den Kurs zu verlieren… Darum sollte man in sein „Lebensboot“ nur diejenigen Dinge packen, von denen man felsenfest überzeugt ist, daß sie Freude geben, Sinn machen, das Dasein bereichern und nicht durch Streß zerfasern. Faulsein gehört für mich ganz unbedingt zu den wichtigen „Waren“ im „Lebensboot“. Faulsein verkürzt das Leben nicht, sondern verlängert es. Meine Miezekatze macht es mir tagtäglich vor. 😉
Und nicht so viel grübeln und nachdenken! Sehr viele Dinge erledigen sich so gut wie von selbst, wenn man ihnen nicht so viele Gedanken widmet.
Liebe Grüße, wünsche dir einen entspannten Abend!

Kommentar von freidenkerin

Ja liebe Freidenkerin, da hast Du wohl sehr Recht!
Aber Tennis gehört eigentlich zu meinem Lieblings-Hobby, aber an diesem Wochenende war ich einfach mit allem überfordert, da hätte ich mir die Ruhe gleich antun sollen. Aber bei einem Mannschaftssport kann man seine Kameraden auch nicht einfach „hängenlassen“. Aber ich glaube, es waren mehre „innere“ Baustellen, die sich gemeldet haben. Mir fehlte die Gelassenheit, die Dinge so hinzunehmen, wie sie gerade sind, ändern konnte ich ja nichts und das, was ich hätte ändern können, nämlich konzentriert spielen, habe ich mir selbst mit meiner Hektik versaut. Naja, eine Erfahrung aus der man vielleicht was lernen kann. Aber Ruhe, ja Ruhe ist auch für mich ein wichtiger Faktor, der leider bei meiner manchmal stressigen Arbeit zu kurz kommt. Und… auf Tennis verzichte ich einfach nicht gern.
Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg!
Ronja

Kommentar von ronja

Huhuu liebe Ronja 🙂

melde mich zurück .. danke dir sehr für deinen lieben Kommentar! Lisa geht’s wieder gut, und wir konnten mit ihr auch noch ein paar Tage Urlaub bzw. „Kur-laub“ machen 😉

puhhh … das hört sich wirklich nach enorm viel Stress an, was du da beschreibst… kommt mir aber auch bekannt vor. Wie schnell geht das – daß man sich eigentlich nur etwas Entspannendes für den Feierabend vorgenommen hatte, und dann kommt doch alles mögliche dazwischen, und die nötigen Ruhepausen kommen zu kurz… zumal du natürlich auch nicht auf dein geliebtes Hobby verzichten magst ..versteh das gut.

Ich wünsch dir auf jeden Fall eine ausgewogene Zeit mit Spannung und Ent-Spannung .. und natürlich möglichst keinen Stress, und grüße dich ganz lieb 🙂
Ocean

Kommentar von Ocean

Hallo Ronja, (m)ich habe(n) Deine Erzählungen gefunden, als ich „Tennisbelag Preis“ als Suchbegriff eingegeben habe. Dies wiederum kam zustande, weil der Vorsitzende eines Tennisclubs im Saarland mit seiner Mannschaft am Wochenende in das Seehotel kommen wird. Er erzählte mir, daß sie eine eigene 2-Feld Halle haben und von den anstehenden Reparaturen. Ich habe dem Team bei schlechtem Wetter vorsorglich die Hallenplätze reserviert; in meiner Halle natürlich. Bei gutem Wetter will er trotzdem mit mir reden, weil diese Investitionen ganz schön in die Kasse greifen werden, und das bedrückt ihn schon recht ordentlich. Kennen tun wir uns nicht; ich finde es aber trotzdem schön, wenn ich behilflich sein kann. Naja, so kam es dann zu dieser mail (oder sagt man blogschrift?). Ich werde mir jetzt die Zeit nehmen, all Deine Aufzeichnungen zu lesen; in Ruhe. Mit einem Schmunzeln möchte ich dennoch anmerken, daß die Beinarbeit beim Rock’n Roll nicht ohne Verletzungsgefahr auf das Tennisspiel übertragbar ist. Freundliche Grüße Gerrit

Kommentar von Gerrit

Hallo Gerrit,
das ist ja wirklich seltsam, unter welchen Suchbegriffen man auf meine Seite kommt.
Schön, dass es Dich wenigstens amüsiert, etwas von mir zu lesen. Rock’n Roll ist für meine Begriffe die beste Fitness-Übungfür den Tennis-Platz. Die Lauffreudigkeit nimmt durch die beim Rock’n Roll trainierten Muskeln erheblich zu und wenn man eine stärkere Gegnerin hat, so kann man Vieles durch Laufen und Rennen „ersetzen“. Also ein optimales Training, dazu noch zu solch toller Musik, die mir direkt in die Beine fährt.
Danke für die Grüße und viel Spaß beim Lesen! Ronja

Kommentar von raeuberbraut




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: